100 Kilometer und 2300 Höhenmeter

100KM & 2300 Köhenmeter
Hallo Liebe Radlerfreunde

Ich hatte ja Urlaub und bin natürlich auch ein bisschen Rad gefahren. Nicht so viel wie ich es eigentlich wollte aber es war so schönes Wetter und da habe ich halt auch unsere Dachterrasse auf Vordermann bringen wollen. Am letzten Freitag bin ich aber los auf eine geplante Tour von 108 Kilometer und 2300 Höhenmetern. Leider habe ich das geplante Ziel nicht geschafft. Wieso und warum werde ich jetzt mal erläutern.

Die geplante Route der 100 Kilometer und 2300 Höhenmeter

Die Route die ich fahren wolle habe ich in Strava zusammengestellt und da abgespeichert. Da beginnen auch schon die Probleme. Ich bin ziemlich genau die Route abgefahren die ich geplant habe und trotzdem bin ich nicht mal auf 1500 Höhenmeter gekommen.

Geplante Route 23.06.2017
Geplante Route 23.06.2017

So wollte ich fahren und wenn man vergleicht bin ich, abgesehen vom Schluss, genauso gefahren wie geplant.

Gefahrene Route 23.06.2017
Gefahrene Route 23.06.2017

Komischerweise habe ich aber bei der Planung der Route in der Anzeige eine komplett andere Höhenangabe.

Angaben 23.06.2017
Angaben 23.06.2017

Irgendwie scheint da Strava bei der Erstellung die Höhenmeter komisch zusammen zurechnen. Anders kann ich mir eine Abweichung von 842 Metern nicht erklären.

Tatsächliche Angaben 23.06.2017
Tatsächliche Angaben 23.06.2017

Das positive an der Sache ist zumindest, dass die tatsächlichen Höhenmeter nach der Fahrt von meinem Edge 520 übernommen und nicht die, die es mir bei der Routenerstellung anzeigt. Trotzdem war ich ein bisschen enttäuscht als ich extrem fertig zuhause ankam und feststellte, dass ich nicht mal ansatzweise an die geplanten 2000 Höhenmeter rangekommen bin.

Die tatsächlichen 96.6 Kilometer und 1466 Höhenmeter

Kurz vor 10 Uhr morgens bin ich also los. Es war beide Urlaubswochen sehr warm und so habe ich genug Wasser mitgenommen. Außerdem zwei Bananen und einen Protein-Riegel. Am Morgen habe ich nicht wirklich was gegessen und das war wohl mein Fehler. Ich bin mehr oder weniger auf leerem Magen los und das ging am Anfang auch sehr gut bis ich zum zweiten Anstieg kam am Uetliberg. Genauer gesagt auf der Albisriederstrasse/Birmensdorferstrasse. Da geht es 2.1 KM zuerst mit 9 danach mit 10 und das letzte Stück wieder mit 9% hoch. Irgendwie war das schlecht für meinen Magen. Ich fühlte mich komplett kraftlos und ausgelaugt und musste in der Hälfte kurz pause machen und eine Banane verdrücken und was trinken. Keine 10 Minuten später war ich wieder auf dem Rad und radelte weiter. Ich war angeschlagen und das nicht mal nach einer Stunde doch ich radelte weiter.

Streckenprofil Tour 23.06.2017
Streckenprofil Tour 23.06.2017

Vom Waldegg ging es nach Birmensdorf und weiter nach Aesch und von da hoch auf den oder nach Isliberg. Das Dorf liegt zuoberst auf einem Hügel, der eine Fortsetzung des Höhenzuges Holzbirrliberg darstellt. Der Hügel trägt den gleichen Namen wie das Dorf, wird aber oft auch „Himmel“ genannt. Von da an ging es wieder runter. Ich streifte Bonstetten und Hedingen bevor ich den nächsten  Anstieg in Angriff nahm.

Der nächste Anstieg begann am Kronenplatz in Affoltern am Albis. Da geht es mit mit bis zu 7.8% die Mülibergstrasse hoch und danach kurz und knackig wieder runter bevor es wieder mit bis zu 10.6% auf den Müliberg hochgeht.  Kurz nach dem Müliberg geht es wieder runter nach Aeugstertal. Aeugstertal ist ein Weiler, also nur ein paar Häuser aber geschichtlich trotzdem sehr interessant. Das im 16. Jahrhundert abgegangene Borsikon, das beim heutigen Aeugstertal lag, wird bereits im Jahre 883 als Porsinchova erwähnt. Von 1224-1254 sind urkundlich die Ritter von Borsikon mehrmals erwähnt. Leider findet man nirgends Informationen ob da mal eine Burg gestanden ist.  Ich hab zumindest keine gesehen.

Blick vom Müliberg
Blick vom Müliberg

Ich kam sehr gut voran und fühlte mich gut. Vor allem ging es von Aeugstertal wieder ein bisschen runter bis an die Bucheneggstrasse. Es war zwar sehr warm aber trotzdem hatte ich angefangen die Fahrt zu genießen. Es war immer noch anstrengend und ich fühlte mich immer noch kraftlos doch ich hatte meinen Tritt gefunden. Die Landschaft war sehr schön und das war der Moment ich dem ich mich entschied öfters solche Bergstrecken in Angriff zu nehmen.

Bei der Abzweigung in die Bucheneggstrasse geht es wieder nach oben und zwar mit bis zu 10.1%. Die Belohnung ist die anschließende Abfahrt zum Wildpark Langnau. Da geht es mit bis zu 10.5% Neigung fast 3 KM runter. Es ist eine sehr tolle und schnelle Abfahrt bei der die man einen guten langen Blick auf die Strecke hat. Ich hätte sicher schneller runter düsen können aber ich war müde und da soll man ja nicht unnötige Risiken eingehen. Zum Glück habe ich das sehr schnell, durch einen Sturz kurz von meinem Zuhause, gelernt. Am Sonntag nach meiner Tour ist auf der selben Strecke, der Mülibergabfahrt, ein Radfahrer schwer verletzt worden. Ich bin gut und sicher runtergekommen und am Wildpark vorbei.

Nach dem Wildpark ging es die Albisstrasse hoch bis zum Albispass. Bis zum Albispass sind es ca. 5 KM mit bis zu 10.7% Steigung. Oben angekommen bietet sich aber ein wunderschöner Anblick auf den Zürichsee und die umliegenden Täler und Dörfer. Außerdem ist der Albispass auch wieder ein geschichtlich sehr interessanter Ort. Der Albispass wurde vermutlich bereits im 13. Jahrhundert als Zugang zum Gotthardpass genutzt verlor aber im 15ten Jahrhundert ihre Bedeutung.

Albispass
Albispass

Ich für meinen Teil habe nur dieses Foto geschossen und bin gleich wieder weiter. Ich wollte die Abfahrt in Angriff nehmen. Die nächsten zehn Kilometer geht es nämlich mehr oder weniger runter der flach geradeaus. Es geht runter bis nach Türlen wo man einen Schwenker nach links macht und nach Hausen am Albis fährt. Hausen am Albis ist auch wieder ein geschichtlich sehr interessanter Ort. Generell war ich auf der Tour von Geschichte umgeben und das macht eine solche Tour doch auch sehr interessant und lehrreich. Der Ort Hausen am Albis ist eine Gemeinde und die wird bereits im Jahre 1235 als Huson urkundlich erwähnt. Herren über Hausen waren in dieser Zeit die Freiherren von Eschenbach die ab 1173 zwischen Zürichsee und Reuss die meisten grafschaftlichen Rechte besaßen. Ich fuhr also durch Hausen am Albis und weiter nach Ebertswil runter bis man ganz unten an der Sihl und in Sihlbrugg angekommen ist.

In Sihlbrugg habe ich mir die zweite Banane gegönnt und bin frohen Mutes dem letzten Anstieg entgegen gefahren. 6 KM mit maximal 7% Anstieg. Lustigerweise kam mir dieser Anstieg relativ locker vor aber vielleicht war das auch nur die psychologische Komponente weil ich wusste, dass es so ziemlich das letzte mal sein würde, wo ich heute hoch fahre. Auf jeden Fall bin ich da hoch und anschließend die Zugerstrasse knappe 6MK runter bis nach Horgen. Von da an bin ich am See entlang und da ist es ziemlich flach und eben.

Die letzten beiden Anstiege, wenn man die überhaupt so nennen kann, waren die Weinbergstrasse und der Radweg in Adlikon der nach Buchs führt. Da merkte ich langsam wie fertig ich eigentlich bin. Ich war fast 6 Stunden unterwegs und davon fast fünf am fahren. Ich war echt nicht mehr zu gebrauchen und das wurde mir auf dem Weg nach Buchs bewusst.

Kurz vor Buchs hatte ich einen totalen Einbruch. Eigentlich wollte ich ja die 100 KM voll machen und hatte mit 2300 Höhenmetern gerechnet. Mein Garmin war aber bei etwa 1460 Höhenmetern und ca. 94.6 Kilometern und ich wusste genau, dass die 100 KM nicht voll werden wenn ich nicht noch eine Schlaufe um Würenlos fahre. Lange Rede kurzer Sinn, ich hab es aber nicht mehr geschafft. Mein einziges Ziel war Zuhause anzukommen ohne vom rad zu fallen. Ich hab mir in der Tanke auf dem Weg noch ne Coke Büchse geholt und die geleert und bin die restlichen 600 Meter nach Hause gefahren. Aus dem letzten Loch pfeifend bin ich Zuhause angekommen und meine Beine fühlten sich an als hätte jemand meine Muskeln mit Beton gefüllt. Ich habe mein Rad abgestellt und bin nach oben geschlurft wo ich mich todmüde auf die Terrasse gelegt habe.

Was ich beim nächsten Mal anders machen werde

Als ich so im halb Koma auf dem Sofa sass habe ich mir Gedanken gemacht was ich das nächste mal anders machen will. Ich werde auf jeden Fall nie mehr auf leerem Magen so eine Tour machen. Das nächste Mal werde ich sicher richtig Frühstücken. Außerdem werde ich auch die Tage vorher meine Kohlehydratespeicher auffüllen um genug Power zu haben. Das nächste Mal will ich die 100 KM auf jeden Fall voll machen. Zusätzlich werde ich ich meine kürzeren Fahrten immer wieder Anstiege einstreuen. um das Hochfahren zu verbessern. Es war zum Teil sehr anstrengend und das Gefühl den Anstieg nicht zu schaffen beschlich mich mehr als einmal auf meiner Tour.

Was ich mir auch besorgen werde sind Energie Gels die ich mitnehmen will. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich noch die noch nie probiert habe und mich da erst mal einlesen muss auf was man da beim kauf achten muss. Eine kurze Google Suche hat, wie bei allem, ergeben, dass es hunderte Arten von Energie Gels mit eben so vielen Geschmäckern und Inhalten gibt. Man könnte auch einfach mal versuchen einen Energie Riegel selber zu machen. Auf jeden Fall muss ich das bei der nächsten Tour dabei haben. Zwei Bananen sind definitiv zu wenig.

Zum Schluss muss ich mir ein isotonisches Pulver organisieren. Sowas wie Isostar oder Gatorade. Pulver wird wohl die bessere Wahl sein weil mir dei bereits angemischten Getränke immer zu süß sind. Wasser alleine war am Schluss eigentlich nicht mehr ausreichend um meinen Salzverlust auszugleichen. Leider hatte ich nichts dabei und deshalb habe ich mir auf halbem Weg so ein widerlich süßes Poweraid gekauft. Zum Glück hatte ich noch frisches Wasser dabei und so konnte ich es durchmischen und es war nicht mehr ganz so hässlich süß.

Auf jeden Fall muss ich mich das nächste mal besser auf so eine Tour vorbereiten. Ich bin mir mehrere Male vorgekommen wie auf der ersten Pendelfahrt zur Arbeit mit Mustafa unter dem Hintern. Völlig unvorbereitet und der Aufgabe nicht gewachsen.  Das soll mir nicht nochmal passieren.

So, das war es wieder mal für Heute.

Ein Gedanke zu „100 Kilometer und 2300 Höhenmeter“

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